Body Condition Score beim Pferd: BCS 1 bis 9 richtig verstehen

Body Condition Score Pferd: BCS 1–9 einfach erklärt, Wissenschaft trifft Pferdetraining

Mit dem BCS kannst du den Ernährungszustand deines Pferdes systematisch beurteilen

Ist mein Pferd zu dick, zu dünn oder genau richtig? Diese Frage ist mit einem Blick oft erstaunlich schwer zu beantworten. Gerade wenn du dein Pferd täglich siehst, gewöhnst du dich an sein Erscheinungsbild. Langsame Veränderungen fallen dadurch häufig weniger auf.

Der Body Condition Score (BCS) gibt dir feste Kriterien an die Hand, mit denen du den Ernährungszustand deines Pferdes systematischer beurteilen kannst. Das hier System nach Schramme wurde für Warmblutpferde entwickelt und bewertet sechs Körperregionen auf einer Skala von 1 bis 9.

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Was sagt der Body Condition Score aus – und was nicht?

Der BCS dient dazu, die äußerlich zugänglichen Fettreserven einzuschätzen. Für jede Körperregion sind konkrete sicht- und tastbare Merkmale definiert.

Der BCS ist nicht mit dem Körpergewicht gleichzusetzen. Zwei Pferde mit demselben Gewicht können unterschiedlich bemuskelt sein und unterschiedlich viel Fettgewebe besitzen.

Auch der Bauchumfang allein ist kein zuverlässiges Kriterium. Ebenso wenig lässt sich aus dem BCS ableiten, wie fit oder leistungsfähig ein Pferd ist. Er ersetzt außerdem keine tierärztliche Untersuchung.

BCS 1 bis 9: Was bedeuten die einzelnen Stufen?

Die Skala reicht von einem extrem schlechten Ernährungszustand bis zu einer ausgeprägten Adipositas. Die Übergänge entstehen nicht einfach dadurch, dass ein Pferd insgesamt „etwas runder“ wird.

Vereinfacht lassen sich die neun Stufen so einordnen:

Ein Pferd hat nicht überall denselben BCS

Ein wichtiger Punkt wird bei der Betrachtung des BCS leicht übersehen: Du vergibst nicht einfach nach dem Gesamteindruck eine Zahl für dein Pferd.

Beim System nach Schramme werden Hals, Schulter, Rücken, Brustwand, Hüfte und Schweifansatz einzeln bewertet. Dein Pferd kann beispielsweise am Hals einen höheren Wert erreichen als an der Hüfte oder am Rücken. Das ist kein Widerspruch, sondern einer der Gründe, warum die einzelnen Regionen überhaupt getrennt untersucht werden.

Erst aus den sechs Einzelwerten wird der Gesamt-BCS berechnet. Dafür wird der Durchschnitt der sechs Werte gebildet. Der Gesamtwert beschreibt somit den Ernährungszustand des Pferdes insgesamt, während dir die Einzelwerte zeigen, wie unterschiedlich die Fettverteilung sein kann.

Warum Anschauen allein nicht reicht

„Der sieht doch gut aus“ oder „Der könnte ein bisschen weniger vertragen“ sind zunächst subjektive Einschätzungen. Beim BCS geht es deshalb darum, den Blick durch nachvollziehbare Kriterien zu ergänzen.

Einige Merkmale kannst du sehen, andere musst du ertasten. An der Brustwand wird beispielsweise nicht nur betrachtet, ob Rippen sichtbar sind. Auch die Tastbarkeit der Rippen, die Beschaffenheit des darüberliegenden Gewebes und teilweise die Verschieblichkeit der Haut spielen eine Rolle. Am Hals wird unter anderem das Kammfett beurteilt. Je nach Körperregion werden außerdem bestimmte Knochenpunkte und Fettpolster ertastet.

Das wird besonders beim Winterfell deutlich: Fell kann Konturen optisch verändern oder verdecken. Aber auch unabhängig von der Felllänge kann der Gesamteindruck täuschen. Ein systematisches Anschauen und Abtasten der festgelegten Körperregionen liefert deshalb deutlich mehr Informationen als die Einschätzung „zu dick“ oder „zu dünn“ aus einigen Metern Entfernung.

Welcher BCS ist ideal?

Beim System nach Schramme und Kienzle liegt der ideale Bereich ungefähr um BCS 5. Dabei muss berücksichtigt werden, dass Körperbau und Pferdetyp das Erscheinungsbild beeinflussen können und das System ursprünglich anhand von Warmblutpferden entwickelt wurde.

Gerade bei Ponys und leichtfuttrigen Pferdetypen sollte außerdem nicht nur der Gesamt-BCS betrachtet werden. Regionale Fettdepots können gesundheitlich relevant sein, auch wenn das Pferd insgesamt zunächst nicht extrem übergewichtig erscheint.

Warum eine regelmäßige Kontrolle sinnvoll ist

Übergewicht ist beim Pferd nicht nur eine Frage der Optik. Zu viel Körperfett steht unter anderem im Zusammenhang mit Stoffwechselproblemen. Untersuchungen zeigen beispielsweise Zusammenhänge zwischen Adipositas und Insulindysregulation; Insulindysregulation wiederum ist ein wichtiger Risikofaktor für Hufrehe.

Genau deshalb ist es sinnvoll, nicht erst dann genauer hinzuschauen, wenn eine Veränderung offensichtlich geworden ist. Ein einzelner BCS ist eine Momentaufnahme. Wiederholst du die Beurteilung unter möglichst ähnlichen Bedingungen, kannst du dagegen erkennen, ob und in welche Richtung sich der Ernährungszustand deines Pferdes langsam verändert.

Eine monatliche Kontrolle ist dafür ein gut umsetzbarer Rhythmus. Notiere dir neben dem Gesamtwert am besten auch die sechs Einzelwerte. So siehst du nicht nur, ob sich der durchschnittliche BCS verändert, sondern auch, an welchen Körperregionen Veränderungen zuerst auftreten.

Der BCS soll dabei keine Diagnose liefern. Er gibt dir vielmehr ein Werkzeug an die Hand, mit dem du genauer hinschauen, Veränderungen dokumentieren und bei Auffälligkeiten frühzeitig Fütterung, Haltung und gegebenenfalls die gesundheitliche Situation deines Pferdes überprüfen kannst.

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Quellenangaben:
Schramme, Claudia Stephanie (2003): Body Condition Scores und biometrische Daten zur Abschätzung des Körpergewichts bei Warmblutpferden. Dissertation, LMU München: Tierärztliche Fakultät doi:10.5282/edoc.1522
Kienzle, E.; Schramme, S. C. (2004): Beurteilung des Ernährungszustandes mittels Body Condition Scores und Gewichtsschätzung beim adulten Warmblutpferd. Pferdeheilkunde 20 (6), 517–524. DOI: 10.21836/PEM20040604.

August 2026